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Was Sie wissen sollten ...

Eine Wurzelkanalbehandlung wird nötig, wenn das Gewebe im Zahninneren entzündet oder abgestorben ist. Dieses auch Zahnnerv (Pulpa) genannte Gewebe setzt sich aus Bindegewebe, Nerven, Blut und Lymphgefäßen zusammen und ist durch das Zahnbein (Dentin) und dem darüber liegenden Zahnschmelz vor Bakterien geschützt. Die Pulpa hat die Funktion der Zahnbildung und der Sensibilität. Sie kann außerdem auf Reize und Abnutzung des Zahnes regieren und ein sogenanntes Sekundär- oder Reizdentin ausbilden, wodurch die Hohlräume des Zahnes mehr oder weniger stark eingeengt werden.

Wird durch eine tiefe Karies oder einen Unfall die Schutzschicht aus Schmelz und Zahnbein zu stark geschädigt, können Bakterien bis in das Pulpagewebe vordringen und dabei Entzündungen sowie Infektionen verursachen. Hohe Temperaturempfindlichkeit bis hin zu starken, anhaltenden Zahnschmerzen sind die Folge. Handelt es sich um eine chronische Entzündung, kann diese für den Patienten auch völlig unbemerkt bleiben, bis sie der Zahnarzt während der Behandlung oder beim Blick auf das Röntgenbild diagnostiziert.

Gute Gründe für eine Wurzelkanalbehandlung …

Ohne Behandlung breitet sich die Entzündung über die Wurzelspitze und den Kieferknochen weiter aus und führt früher oder später oft zu schmerzhaften und gefährlichen Schwellungen, in dramatischen Fällen sogar zu Abszessen der Weichteile im Gesicht und Hals. Zudem muss der Körper permanent gegen die vom erkrankten Zahn ausgehenden Krankheitsreize ankämpfen, was sich auf den allgemeinen Gesundheitszustand auswirkt.

Die einzige Möglichkeit, die Ausbreitung der Erkrankung zu stoppen ohne den Zahn zu entfernen, ist eine Wurzelkanalbehandlung. Zwar ist die Behandlung noch immer sehr aufwändig, aber sie verläuft dank verbesserter Betäubungen und Behandlungsmethoden heute in der Regel schmerzfrei.

Ablauf der Behandlung …

Zur Beurteilung der Behandlungsmöglichkeit und der Risiken bei der Wurzelkanalbehandlung ist die Anfertigung eines genauen Röntgenbildes notwendig. Dieser sogenannte Zahnfilm zeigt einen oder mehrere Zähne samt Wurzel und gibt Hinweise auf Anzahl, Krümmung, Länge und Erreichbarkeit der Wurzelkanäle.

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Zuerst werden die Wurzelkanäle mit sehr feinen Instrumenten und desinfizierenden Spüllösungen von infiziertem Gewebe befreit, etwas geweitet und mit einem natürlichen Werkstoff namens Guttapercha gefüllt. Guttapercha stammt aus der Rinde des in Malaysia heimischen Palaquium gutta (Guttaperchabaum) und ist der Goldstandard der modernen Endodontie, also der Lehre von der Wurzelbehandlung. Der Werkstoff eignet sich gut, da er besonders körperverträglich ist, kaum Allergien verursacht und in erwärmtem Zustand in jeden Hohlraum verbracht werden kann. Wenn die Wurzelkanalfüllung erfolgreich war, wird der Zahn bakteriendicht verschlossen und in der Regel nach einer bestimmten Beobachtungszeit zum Schutz vor Brüchen überkront.

Anwendung neuer Techniken …

Ein dauerhafter Zahnerhalt erfordert eine sorgfältige Wurzelkanalbehandlung. Da die Wurzelkanäle der Zähne im Verlauf ihrer Entwicklung sehr individuelle Formen und Anordnungen aufweisen, gingen die wissenschaftlichen Forschungen der letzten Jahrzehnte immer der Frage nach, wie auch schwer zugängliche Bereiche gereinigt werden können. Durch den Einsatz neuer Techniken, Instrumente und Materialien konnte der Behandlungserfolg so immer weiter verbessert werden.

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Bestimmung der Wurzelkanallänge: Die exakte Bestimmung der Wurzelkanallänge ist eine wichtige Bedingung für den Erfolg der Behandlung. Ein Gerät zur endometrischen Längenbestimmung ermöglicht die Vermessung der Arbeitslänge vor und während der Aufbereitung in weniger als Zehntelmillimeter genauer Präzision und ist damit ohne jede Strahlenbelastung deutlich geeigneter, als sich nur auf sogenannte Messaufnahmen mit einem Röntgenbild zu verlassen.

Wurzelkanalaufbereitung: Ein spezieller Präzisionsmotor zur maschinellen Wurzelkanalaufbereitung optimiert die Aufbereitung und Reinigung des Wurzelkanalsystems. Mit ihm werden Nickel-Titan-Feilen rotiert oder reziprok (wechselnd links/rechts) bewegt und dabei nur bis zu einer definierten Kraft belastet, wodurch die Rate der Instrumentfrakturen bei deutlich besserer Reinigung stark gesenkt wurde.

Ultraschallreinigung: Bei einer Wurzelkanalbehandlung ist eine Kernaufgabe die Reduzierung der Keimzahlen und die Reinigung der Kanäle. Durch den Einsatz von Ultraschallgeräten werden die Spülwirkung und damit auch die Keimreduzierung entscheidend optimiert. Die Ultraschallbewegung führt zu einem Aufsprudeln und Erwärmen der Desinfektionslösung, wodurch die Reinigungskraft etwa um das Sechsfache steigt.

Thermoplastische Wurzelfüllung: Eine "thermoplastische" Wurzelfüllung ermöglicht ein homogenes, bakteriendichtes Abfüllen des aufbereiteten Wurzelkanalsystems. Dabei wird das Wurzelfüllmaterial (Guttapercha) in einem Spezialofen erwärmt, dadurch weich und kann dann in alle denkbaren Wurzelkanalformen eingebracht werden.

Dentalmikroskop

Optische Vergrößerung: "Du kannst nur behandeln was du siehst" ist einer der Leitsätze in der Zahnmedizin. Damit die Individualität jedes Zahnes erkannt und richtig eingeschätzt werden kann, ist es notwendig, die Struktur des Zahnes zu betrachten. Dies ist wegen der Größe bzw. Kleinheit eines Zahnes nur unter optischer Vergrößerung durch eine Lupenbrille (ab 3,5-facher Vergrößerung) oder besser mit einem Operations-Mikroskop (bis 40-fache Vergrößerung) möglich. Dabei ergibt sich häufig das Problem des fehlenden Lichts, denn je stärker man etwas vergrößert, desto mehr Licht benötigt die Vergrößerungshilfe. Daher ist es für den Zahnarzt wichtig, eine geeignete Lichtquelle möglichst in der Blickachse zu benutzen. Auch wenn mittlerweile in vielen Bereichen LED-Licht bisherige Lichtquellen ablöst, haben wir uns bei der Ausrüstung dieses Mikroskops dafür entschieden, dem derzeitigen Goldstandard Xenonlicht trotz deutlicher betriebswirtschaftlicher Nachteile den Vorzug zu geben, da Xenonlicht derzeit noch die beste Lichtausbeute auch in schwierigsten Situationen garantiert.

Kurzum: Vergrößerungshilfen ermöglichen eine bessere Sicht und somit ein genaueres Arbeiten. Eine Wurzelkanalbehandlung kann in einem Misserfolg enden, wenn Kanäle übersehen und nicht behandelt werden. Gerade das OP-Mikroskop bietet uns die Möglichkeit, das Zahninnere, die Wurzelkanaleingänge und sogar die Wurzelkanäle bis in Krümmungen hinein bei hoher Vergrößerung auszuleuchten und zu behandeln.

Prognose …

Die moderne Endodontie mit den oben beschrieben Maßnahmen ermöglicht es, auch stärker zerstörte Zähne zu restaurieren und nach erfolgreicher Wurzelkanalbehandlung als Pfeiler (Träger) für Zahnersatz zu beanspruchen. Die durch die Entzündung eventuell entstandene Schädigung des Kieferknochens heilt nach erfolgreicher Behandlung vollständig aus. Damit können Sie Ihren Zahn noch viele Jahre, wie von der Natur vorgesehen, nutzen.

Schnell reagieren ...

Wie immer bei Krankheiten, die durch Entzündungen hervorgerufen werden, spielt der Zeitfaktor eine entscheidende Rolle. Je früher die Entzündung erkannt wird und je schneller wir mit der Behandlung beginnen können, desto besser lässt sich die Ausbreitung von Bakterien verhindern und der Zahn retten.